Ein Jahr ohne Auto...

Über

Leben ohne Auto auf dem Land?! Das geht doch nicht!

Das will ich testen. Ein Jahr lang. 

Ich bin 53 Jahre alt. Pastorin.

Lebe alleine (seit dem 18.11.15 nicht mehr- ein unbegleiteter Minderjähriger Flüchtling hat bei mir Unterkunft.)

Auf dem Land. 

Mit Hund und Garten.

Habe vier Kinder, die aber alle außer Haus sind (nun einen 15 jährigen wieder im Haus). 

Bin gesund. 

Der nächste Bahnhof ist 1,5 km entfernt.

Die Bahn fährt stündlich in beide Richtungen. 

Busse fahren auch. Aber es sind Schulbusse. 

Linienbusse? Habe ich in den letzten 6 Jahren nicht benutzt. 

Gefühlt führen nicht mehr als 2 Linienbusverbindungen in das Dorf rein und wieder raus.

 Alle haben hier ein Auto.

Fast alle: Nur ein Rentner fährt konsequent alles mit dem Fahrrad. 

Und ein anderer fährt Mofa. 

Ab heute gibt es noch eine weitere, die einen Roller fährt- und natürlich Fahrrad. 

Alter: 54
 


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31.12.15- Sylvester- Kurzbilanz

Wenn ich das Auto am 4.1.16 zurückgeben werde, werden A. und ich mehr als 1000km gefahren sein.

Welche Strecken bin ich gefahren? Vor Weihnachten natürlich viele kleine Einkäufe, damit nichts fehlt- und das Vergessene schnell noch besorgt werden kann.

Dann nach Hamburg, um das Haus den Käufern zu übergeben.

A. ist oft zu Freunden gefahren. 

Ich bin 2 mal nach Lehe bei Lunden gefahren, um die Jungs dahin zu bringen, bzw. abzuholen. Also für andere. Und für den Frieden im Haus und in meiner Seele. Denn J. war unglaublich traurig, dass er den Teil seiner Großfamilie nicht besuchen kann, den S. besuchte...und ich war beruhigt, dass ich den Jungen nicht zu mir fremd bleibenden Leuten mit dem Zug schickte, sondern damit die Gelegenheit hatte, einen Eindruck von der Familie zu bekommen. 

Heute werde ich nach Norderstedt fahren, weil M.´s Eltern nun nicht in Lunden sind, sondern Verwandte in Norderstedt besuchen. Also wieder unterwegs für andere und um mein Gewissen zu beruhigen, dass ich nicht jemanden, der kein Deutsch spricht und sich kaum auskennt in den Bus setze. Denn A. sieht das anders: könnte ihn auch mit dem Bus nach Ochsenzoll bringen und ihn dann nach Norderstedt umsteigen lassen.

Ich werde morgen nach Kiel fahren, um einen Oma- Tag mit meiner Enkelin zu machen, das Auto noch einmal für ein Beerdigungsgespräch gebrauchen. Am Sonntag nachmittag meine Mutter besuchen. Am Montag Teppiche zur Reinigung fahren. Das wars. 

Also: wofür war das Auto gut? Für schnelle, spontane, unorganisierte Aktionen!wie vergessene Einkäufe, spontane Pläne für J. und S. umsetzen,für soziales Leben (eigene Besuche und Besuche der Jungs bei Verwandten), für ein ruhiges Gewissen. Das müsste anders werden. Ein Einkaufsrhythmus, Einkaufslisten....alles war in diesen Tagen vergessen. Ich hatte ja das Auto vor der Tür.

Was muss geschehen, damit ich J. über Segeberg hinaus loslassen kann? Wenn er die Sprache so kann, dass wir telefonieren könnten. Dass er fragen kann. Und es braucht planbare Struktur. Nicht einen Tag so- und den anderen Tag wieder einen neuen Plan machen, den ich bedienen muss, damit ich mich gut fühle.

Denn A. hat recht. Ich habe von der  Zeit, die ich jetzt zum Fahren aufgewendet haben erstmal nichts- nichts für mich. Bediene die Wünsche anderer und vergesse mir selbst gut zu tun. Denn da schränke ich mich als erstes ein. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen? Nun heißt es: Erst die Arbeit, dann die Wünsche anderer bedienen. 

Warum tue ich das? Also: habe ich wirklich nichts davon? Die ehrliche Antwort mir selbst gegenüber: Wenn ich für andere etwas tue, bin ich für andere (hoffentlich) wichtig, habe ich Bedeutung, vielleicht auch etwas Macht. Also der Gewinn ist: mich machtvoll und wichtig zu erleben. Legitim!- aber bezahle ich den richtigen Preis dafür?

Das Gefühl sagt: Nein- da ist etwas schief und nicht im Lot. 

Versuche es anders zu machen! Anders zu leben!! 

Ich werde J. klar machen, dass er sich in den nächsten Tagen mit seinen Plänen selbst organisieren muss-  dass er  über Segeberg hinaus erst planen darf, wenn er sich halbwegs verständlich machen kann und ich die Leute kenne, Und das Besuche von Verwandten verbindlich geplant und nur in den Ferien möglich sind.

31.12.15 07:51, kommentieren

22.12.- eine "Schlacht" verloren

Am Sonntag kam A. Nun sind wir für die nächten 2 Wochen zu Dritt. Ferienzeit. Zwei Junge Leute, die bestimmt nicht tagelang auf dem Dorf verbringen wollen, Deren Freunde in Segeberg sind.  Zwei funktionierende Fahrräder.

Ich selbst hundert Dinge im Kopf, die schnell noch zu erledigen sind. Manches geht mit Fahrrad, Bahn nicht schnell.... manches gar nicht (Einkäufe über das normale hinaus.) Keiner fühlt sich dafür verantwortlich, die Dankegeschenke an den Ehrenamtlichen zu bringen....Und auch ich möchte nicht während der hoffentlich ruhigeren Zeit nur im Haus sitzen- sondern spontan ! los können.

Fazit: Ich habe mir für 14 Tage ein Auto geliehen!

1 Kommentar 22.12.15 05:37, kommentieren