Ein Jahr ohne Auto...

Über

Leben ohne Auto auf dem Land?! Das geht doch nicht!

Das will ich testen. Ein Jahr lang. 

Ich bin 53 Jahre alt. Pastorin.

Lebe alleine (seit dem 18.11.15 nicht mehr- ein unbegleiteter Minderjähriger Flüchtling hat bei mir Unterkunft.)

Auf dem Land. 

Mit Hund und Garten.

Habe vier Kinder, die aber alle außer Haus sind (nun einen 15 jährigen wieder im Haus). 

Bin gesund. 

Der nächste Bahnhof ist 1,5 km entfernt.

Die Bahn fährt stündlich in beide Richtungen. 

Busse fahren auch. Aber es sind Schulbusse. 

Linienbusse? Habe ich in den letzten 6 Jahren nicht benutzt. 

Gefühlt führen nicht mehr als 2 Linienbusverbindungen in das Dorf rein und wieder raus.

 Alle haben hier ein Auto.

Fast alle: Nur ein Rentner fährt konsequent alles mit dem Fahrrad. 

Und ein anderer fährt Mofa. 

Ab heute gibt es noch eine weitere, die einen Roller fährt- und natürlich Fahrrad. 

Alter: 54
 


Werbung




Blog

17.12.15- ja, ja, die Woche ist um...

aber nicht immer ist die Ruhe und die Zeit, um in diesem Block zu schreiben.

Sonntags ist ein schwieriger Tag. Da drängt es mich raus aus dem Dorf- und ein Auto für Spontanbesuche oder - fahrten wäre dann schön. Auch würde ich J. gerne etwas von den großeren Orten unserer Umgebung zeigen. Ein Ausflug nach Lübeck, nach Hamburg, nach Eckernförde, Husum.... wäre schön. Das scheiterte bislang aber auch an der Unsicherheit,  wohin J. sich bewegen darf. Kreis Segeberg? oder Schleswig- Holstein? oder Hamburg? gar Bundesrepublik.

Der Amtsvormund beim Gastelterntreffen hat nun Schleswig- Holstein freigegeben (nicht schriftlich) und mit Toleranz auch Hamburg. Darüber hinaus lieber nicht. 

 

 

17.12.15 09:07, kommentieren

9.12.15- anders leben?- was seit Oktober 15 anders geworden ist

1. kein eigenes Auto

2. J. in Obhut genommen

3. Haus verkauft

Das ist nicht wenig. Jeder Unterpunkt hat Folgen:

zu 1: Mobilitätsplanung. Spontan los zu fahren, geht nicht. Meistens nicht. 

Am Sonntag allerdings konnte ich mir spontan das Auto von Th. leihen und mit J. meine Mutter besuchen. Ich hätte es am Sonntagabend nicht ausgehalten, im Haus zu hocken. "Einmal raus aus dem Dor"f ist ein größeres Bedürfnis, als ich dachte. am liebsten einmal am Tag. Ich bin nicht "häuslich".

zu 2. Ganz andere Dinge, ganz andere Menschen, ganz andere Themen. 

Ich habe einen Jugendlichen im Haus, der sich gut zu helfen weiß und auch weiß, was er will: erstmal deutsch lernen. Er beginnt deutsche Worte zu suchen, um sich auszudrücken. Alle Achtung, er ist erst drei Wochen hier. Die Grammatik folgt. Wir verstehen uns merkwürdigerweise, ohne viele Worte- und es geht dabei nicht nur um einfache Aussagen, sondern um Wünsche, Ideen, Gedanken...Das ist interessant. Andere Menschen, i.d.R. andere Gasteltern, andere Flüchtlinge beginnen in meinen Bekanntenkreis zu rücken. 

Mein Blick ändert sich. Ich nehme Südländer nicht pauschal wahr und als Fremde wahr, sondern als Menschen... mit dem Kopf war das schon immer so, aber nun auch auf der "Bauchebene". Viele eigene Persönlichkeiten sind dabei, schon bei den vieren, die hier in den Dörfern untergebracht sind. Seit gestern haben wir J. Großcousin im Nachbardorf. 

Außerdem: ein paar Brocken Farsi fallen für mich ab. Neue Sprache ist immer interessant. Ich ärgere mich, dass ich nicht mehr Sprachen gelernt habe- was im Alltag auch kaum unterzubringen ist. eigentlich wollte ich Dänisch, Spanisch, Arabisch oder/und Italienisch lernen, nun ist es Farsi.

zu 3. Da zeichnet sich noch nicht viel ab. Erstmal müssen ja die Banken bedient werden. Mal sehen, was übrig bleibt.

9.12.15 06:34, kommentieren